Eine außerbetriebliche Ausbildung ist Chance und Risiko zugleich. Sie ist insofern als Chance zu sehen, als ein berufsqualifizierender Abschluss erreicht werden kann. Gleichzeitig birgt eine besondere Ausbildungsform Risiken, weil damit Marginalisierungstendenzen einhergehen und die Gefahr wächst, nach der Ausbildung nicht erfolgreich in eine Erwerbstätigkeit einzumünden. Daher ist es von Interesse zu erfahren, wie junge Erwachsene selbst ihre Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung (BaE) erleben. Der Beitrag stellt hierzu ausgewählte Ergebnisse einer explorativen Befragung vor. Dabei wird insbesondere die BaE im Kontext weiterer Bildungsziele und -perspektiven untersucht.
Die DDR verfügte über ein gut ausgebautes System beruflicher Erstausbildung, das denselben Wurzeln wie das duale Ausbildungssystem in der Bundesrepublik entsprang. Trotzdem führten die wirtschaftlichen Probleme in Ostdeutschland und spezifische demografische Entwicklungen zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Einführung des dualen Systems. Diese werden im Beitrag rekapituliert. Gleichzeitig wird aufgezeigt, wie mit einer Vielzahl von Instrumenten und Fördermaßnahmen versucht wurde, diesen Schwierigkeiten zu begegnen. 25 Jahre nach der Wiedervereinigung ergeben sich neue Ungleichgewichte auf dem Ausbildungsstellenmarkt, die abschließend benannt werden. Sie erfordern erneut flexible Reaktionen.
Gefragt nach den Charakteristika des dualen Systems, wird zumeist auf die beiden Lernorte Betrieb und berufsbildende Schule hingewiesen, ggf. ergänzt um über- oder außerbetriebliche Ausbildungsstätten. Dabei sind Lernorte zunächst lediglich ein Mittel zum Zweck, nämlich der Vermittlung beruflicher Handlungskompetenzen in einem anerkannten Ausbildungsberuf. In diesem Sinne führt die Nennung der drei Lernorte zu grundlegenden Fragen: Ist die institutionelle Kennzeichnung von Lernorten hilfreich, wenn deren Potenziale und Grenzen zur Erreichung der Ausbildungsziele beurteilt werden sollen? Welche Lernorte bzw. Lernortkombinationen erfüllen die Ausbildungsziele am besten? Welche Faktoren wirken auf die Qualität der Ausbildungsprozesse in den Lernorten? – Damit sind einige der zentralen Fragen benannt, denen im Beitrag nachgegangen wird.
Die berufliche Rehabilitation bildet einen zentralen Baustein zur Förderung der Teilhabe behinderter Menschen. Durch den inzwischen vollzogenen Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik steht die Integration in Erwerbstätigkeit nun stärker im Vordergrund. Einen dafür förderlichen Berufsabschluss können junge Menschen mit Behinderung in einem Berufsbildungswerk erwerben. Eine solche vorwiegend außerbetriebliche Ausbildung stellt eine umfangreiche Investition dar, die zunächst mit hohen Kosten für die Gesellschaft verbunden ist. Aber diese Investition rentiert sich, wie Ergebnisse einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln belegen, die in diesem Beitrag vorgestellt werden. Eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung an einem Berufsbildungswerk (BBW) fördert zudem die gesellschaftliche Teilhabe der Absolventinnen und Absolventen. Indizien dafür sind eine hohe Erwerbstätigenquote und ein höheres Einkommen.
Die demografische Entwicklung, der wirtschaftliche Strukturwandel und die damit einhergehenden Veränderungen von Qualifikationsbedarfen und -anforderungen verlaufen je nach Region sehr unterschiedlich. Die Beiträge im Heft zeichnen diese Disparitäten nach, beleuchten deren Relevanz in unterschiedlichen Handlungsfeldern und skizzieren Perspektiven für die Gestaltung von betrieblichen und außerbetrieblichen Bildungsangeboten in der Region. Im Editorial plädiert BIBB-Forschungsdirektor Prof. Dr. REINHOLD WEIß für eine bessere Verzahnung von beruflicher Bildung und regionaler Wirtschaftsentwicklung, um den absehbaren demografischen Veränderungen gerecht zu werden. Weitere Beiträge der Ausgabe befassen sich u. a. mit Aus- und Weiterbildungsaktivitäten von Betrieben unter dem Eindruck der Finanz- und Wirtschaftskrise, der Frage, wie wichtig für Unternehmen die pädagogische Qualifizierung ihres Ausbildungspersonals ist sowie mit der Fachkräftequalifizierung im Bausektor im Iran.
Im Kontext der aktuellen Diskussionen über die Leistungsfähigkeit des deutschen Berufsbildungssystems nimmt das Bildungspersonal eine Schlüsselrolle für die Qualität beruflicher Aus- und Weiterbildung ein. Allerdings werden Professionalisierungs- und Qualifizierungsstrategien für diese Zielgruppe häufig lernortspezifisch entwickelt und umgesetzt. Aktuelle berufspädagogische Trends begründen jedoch eine stärkere inhaltliche Zusammenarbeit von betrieblichem und außerbetrieblichem Ausbildungspersonal, Berufsschullehrern/-lehrerinnen und sozialpädagogischen Fachkräften. Hierzu zeigt der Beitrag anhand von Beispielen aus der Fortbildungspraxis mögliche Wege auf. Deutlich wird, dass eine kooperative, lernortübergreifende Qualifizierung des Bildungspersonals entscheidend zur Professionalisierung beitragen kann.
In Ostdeutschland bestehen nach wie vor beträchtliche Probleme auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Bund und ostdeutsche Länder stellten im Jahre 2005 erneut Mittel für 14.000 zusätzliche außerbetriebliche Ausbildungsplätze im Rahmen des Ausbildungsplatzprogramms Ost bereit. Hiermit soll Jugendlichen eine berufliche Zukunftsperspektive eröffnet und dem absehbaren Fachkräftemangel der ostdeutschen Betriebe entgegengewirkt werden. Ein optimaler Einsatz der Mittel muss sichergestellt werden. Ausbildungsabbrüche und Fehlqualifizierungen gilt es zu vermeiden. Der Beitrag zeigt, wie die Programmteilnehmenden selbst ihre Ausbildung beurteilen. Hieraus ergeben sich wichtige Hinweise für notwendige Verbesserungen des Programms. Die Daten resultieren aus einer Ende 2004 vom BIBB durchgeführten Befragung der Teilnehmenden im 2. Ausbildungsjahr des Ausbildungsplatzprogramms. Gefragt wurde, wie die Teilnehmer wichtige qualitätsrelevante Aspekte ihrer Ausbildung einschätzen, ob sie ihren Berufswunsch realisieren konnten, wie zufrieden sie mit der Ausbildung sind, welche Probleme auftraten, ob sie schon an Ausbildungsabbruch gedacht haben und inwieweit die Ausbildung eine "Warteschleife" war.
Benachteiligtenförderung ist seit langem ein Bestandteil des Berufsbildungssystems. Ursprünglich stand die Frage im Vordergrund, wie für die Jungarbeiter ein sinnvolles Bildungsangebot der Berufsschule entwickelt werden könnte. Später, in den frühen 70er Jahren, sollte das Berufsvorbereitungsjahr die "Problemgruppen" des Berufsbildungssystems aufnehmen. Parallel dazu entstanden die ersten berufsvorbereitenden Lehrgänge, finanziert durch die Bundesanstalt für Arbeit. 1980 begann das sog. "Benachteiligtenprogramm" mit ca. 600 Ausbildungsplätzen in außerbetrieblichen Bildungseinrichtungen, bei Bildungsträgern. 1988 wurde das Programm in das AFG übernommen und damit zu einem Regelangebot gemacht. Seit 1982 gehören auch die "ausbildungsbegleitenden Hilfen" zum Unterstützungsangebot für betriebliche Auszubildende. Seit geraumer Zeit tauchen jedoch Fragen bzw. Forderungen nach Optimierung des Fördersystems auf. Gezielte und individuelle Förderung, Optimierung der Lernformen, Verbesserung der sozialpädagogischen Betreuung und Anbindung an die betriebliche Praxis, Zertifizierung erworbener Kompetenzen sind Stichworte, die die aktuelle Diskussion prägen. Der Beitrag geht diesen Entwicklungen nach.
Mit der Option auf zusätzliche Ausbildungsplätze wurde die Ausbildungseignungsverordnung (AEVO) für fünf Jahre außer Kraft gesetzt. Die Zentralverbände der Wirtschaft begrüßten einhellig diese Maßnahme als Beseitigung eines Ausbildungshemmnisses. Demgegenüber konnten die Gewerkschaften auch durch den Hinweis, dass die Qualitätssicherung über die im Berufsbildungsgesetz (BBiG) festgelegten Anforderungen an die Ausbildereignung fortbesteht und mit der Novellierung verbessert worden ist, nicht überzeugt werden. Als Schritte zur Professionalisierung der Ausbildertätigkeit werden zwei Fortbildungslehrgänge vorgestellt, die sich gegenwärtig auf regionaler Ebene in der Erprobung befinden: der 'Fachpädagoge für über- und außerbetriebliche Ausbildung' und der 'Berufspädagoge für die Aus- und Weiterbildung (IHK)'.
Trotz der vielfältigen Kompetenzen von Migrantinnen und Migranten sind ihre Zugänge zu Angeboten der beruflichen Qualifizierung in Deutschland wesentlich niedriger als die der Personen ohne Migrationshintergrund. Die "Initiativstelle Berufliche Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten" (IBQM) im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) initiiert und begleitet neue Beratungsnetzwerke, Forschungs- und Entwicklungsprojekte für die berufliche Qualifizierung von Migranten und vernetzt sie mit bereits bestehenden Netzwerken und Initiativen. Der Beitrag beschreibt die Ziele und Aufgaben der Initiativstelle (IBQM) und die Aktivitäten in den Handlungsfeldern (Lokale und regionale Netzwerke, Ausbildungsvorbereitung und außerbetriebliche Berufsausbildung/ABH, Betriebliche Berufsausbildung, Weiterbildung, Erhöhung der Ausbildungsanteile im öffentlichen Dienst, interkulturelles Lernen).
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