Angesichts zunehmender Schwierigkeiten, Ausbildungsplätze zu besetzen, wurden in den letzten Jahren die Anstrengungen verstärkt, Studienaussteigende für eine berufliche Ausbildung zu gewinnen. Ein besonderer Fokus der Angebote liegt dabei auf Verkürzungen der Ausbildungsdauer. Eine Anrechnung hochschulischer Lernleistungen in der Ausbildung ist allerdings bislang rechtlich nicht möglich. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag der Frage nach, welche Verkürzungsoptionen Studienaussteigenden, die sich für eine Berufsausbildung interessieren, in der Praxis angeboten werden und wie diese sich zu den bestehenden Regelungen verhalten. Damit einher geht auch die Frage, ob eine Änderung bisheriger Regelungen erforderlich oder sinnvoll ist, um die Berufsbildung als Alternative zur Hochschule zu stärken.
Rezension zu: Validieren und anerkennen. Informell erworbene Kompetenzen sichtbar machen – eine Auslegeordnung für die Schweiz. Ulla Klingovsky (Hrsg.); Martin Schmid. hep Verlag AG, Bern 2018
In den Jahren 2005 bis 2009 sowie 2011 bis 2014 wurden unter dem Akronym ANKOM auf der Grundlage von zwei Förderlinien insgesamt 31 Entwicklungsprojekte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem Ziel gefördert, die Durchlässigkeit zwischen der beruflichen und hochschulischen Bildung zu analysieren und zu erhöhen. Die Bilanz in diesem Beitrag fokussiert die entwickelten Anrechnungsverfahren und ihre strukturelle Verankerung, die Übergangsmaßnahmen und ihre landesspezifischen Weiterentwicklungen sowie das Verhältnis der beruflichen und hochschulischen Bildung. Der Beitrag endet mit Entwicklungslinien und Visionen.
Aktuelle Ergebnisse zur Validierung nichtformalen und informellen Lernens auf europäischer Ebene verdeutlichen, dass die EU-Ratsempfehlung vom 20. Dezember 2012 bei der Gestaltung nationaler Strategien und Rahmenbedingungen Wirkungen zeigt. Wie ist vor diesem Hintergrund die Situation in Deutschland einzuschätzen? Im Interview zeigt Prof. Dr. Peter Dehnbostel auf, welche Rolle das nichtformale und informelle Lernen in der Berufsbildung und in der Arbeitswelt spielt. Er beschreibt, wie diese Erfahrungen bei der Entwicklung eines nationalen Validierungssystems eingebracht werden können, damit die Vorzüge der Validierung von Individuen, Betrieben und Bildungseinrichtungen erkannt und Validierungskonzepte auf dieser Ebene umgesetzt werden.
In der Schweiz stehen an- und ungelernten Erwerbspersonen mehrere Wege offen, die zu einem Abschluss der beruflichen Grundbildung auf Sekundarstufe II (ISCED 3B) führen. Je nach Voraussetzung können dabei informell erworbene Kompetenzen in unterschiedlicher Weise angerechnet werden. Der Beitrag stellt die bestehenden Wege zur beruflichen Nachqualifizierung in der Schweiz dar. Dabei wird vor allem zu zeigen sein, welche Rolle die Anerkennung bereits erworbener Kompetenzen innerhalb dieser Wege einnimmt. Abschließend erfolgen Hinweise auf aktuelle Herausforderungen und weitere Perspektiven.
Die Möglichkeiten zur Fortsetzung der Erstausbildung und zur Erweiterung der beruflichen Kompetenzen durch staatlich geregelte Fortbildungsabschlüsse sind ein wichtiger Faktor für die Attraktivität der beruflichen Bildung. Sie bieten Beschäftigten mit einer beruflichen Ausbildung eine Perspektive, ihr Aufgabenspektrum zu erweitern und verantwortliche Fach- und Führungsaufgaben zu übernehmen. Die anerkannten und bewährten Fortbildungsregelungen stehen jedoch vor neuen Herausforderungen. Um ihre Attraktivität auch in Zukunft zu gewährleisten, muss das System weiterentwickelt werden. Hierzu werden im Beitrag Entwicklungen beleuchtet und mögliche Handlungsfelder benannt.
Empirische Untersuchungen an verschiedenen deutschen Universitäten belegen, dass Studierende, die vor ihrem Studium bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen und Berufserfahrung gesammelt haben, einen tendenziell besseren Studienerfolg erzielen. Dieser drückt sich in einer kürzeren Studiendauer oder in einem erfolgreicheren Abschneiden bei Prüfungen aus. Für den Studienerfolg an den tendenziell stärker an der Praxis orientierten Fachhochschulen gibt es bislang noch keinen derartigen empirischen Nachweis. Im Beitrag werden die Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchung an der Lehreinheit Wirtschaft der Fachhochschule Bielefeld vorgestellt. Abschließend wird auf weitere Anknüpfungspunkte eingegangen, die diese Ergebnisse bspw. im Rahmen der Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge bieten.
Studien belegen regelmäßig die Leistungsfähigkeit der dualen Ausbildung. Auch die Europäische Kommission nimmt mittlerweile das duale Ausbildungssystem als wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa wahr. Doch das duale Ausbildungssystem in Deutschland steht vor neuen Herausforderungen. Um die Begabungspotenziale noch besser auszuschöpfen und das lebenslange Lernen stärker als bisher zu fördern, gewinnt die Verknüpfung von Berufsvorbereitung, Berufsausbildung, Fortbildung und Hochschulbildung zunehmend an Bedeutung. Der Artikel macht einen Vorschlag zur kompetenzorientierten Beschreibung von Lerneinheiten, um die Anschlussfähigkeit von Bildungsgängen über die Ordnungsmittel zu sichern. In diesem Zusammenhang werden Ergebnisse des baden-württembergischen Projekts „Eurolevel“ zur Anrechnung vollzeitschulisch erworbener Kompetenzen auf eine duale Ausbildung vorgestellt.
Die Durchlässigkeit des Bildungssystems hat in der Berufsbildungspolitik in Deutschland hohe Priorität. In formaler Hinsicht kann die Forderung nach Durchlässigkeit auch in beachtlichem Umfang als eingelöst gelten. Faktisch bestehen Barrieren allerdings nach wie vor. In der beruflichen Bildung wird als eine Möglichkeit zu ihrer Überwindung die Verzahnung von Erstausbildung und Fortbildung diskutiert, insbesondere durch Zusatzangebote in der Ausbildung sowie durch die Anrechnung von Lernergebnissen oder informell erworbenen Kompetenzen. Auf der Basis von Ergebnissen des Projekts ECVET-D-Bau wird am Beispiel der Aufstiegsfortbildung zum Geprüften Polier in der Bauwirtschaft gezeigt, warum eine Lösung konsequenterweise über eine Verzahnung hinausgehen muss. Der Beitrag schließt mit dem Vorschlag einer Konzeption für einen Bildungsgang, der Aus- und Fortbildung integriert, anstatt sie nur zu verzahnen.
Mehr Durchlässigkeit zwischen Berufsbildung und Hochschule erfordert ein zielgruppenspezifisches Übergangsmanagement. Mit den in der BMBF-Initiative ANKOM (2005–2008) erprobten Verfahren zur Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge konnte hierzu ein wesentlicher Meilenstein gesetzt werden. Die 2012 gestartete Phase 2 der BMBF-Initiative ANKOM knüpft an diese Ergebnisse an und wird in 20 Projekten bis 2014 für die Zielgruppe beruflich Qualifizierter unterstützende Maßnahmen und Modelle des Studieneinstiegs und der Studiengestaltung entwickeln und erproben.
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