Die wachsende Bedeutung der Weiterbildung führt zu einem erhöhten Bedarf an empirisch abgesichertem Datenmaterial zur Weiterbildung. Jedoch wird das Weiterbildungsgeschehen in Deutschland statistisch bislang nur bruchstückhaft erfasst; es fehlt eine umfassende Gesamtstatistik zur Weiterbildung, verschiedene Einzelquellen stehen mehr oder weniger unverbunden nebeneinander. Der Beitrag gibt einen Überblick über die verschiedenen Informations- bzw. Datenquellen zur Weiterbildung (Personenbefragungen, Betriebs- bzw. Unternehmensbefragungen) und trägt wichtige empirische Befunde zum individuellen und betrieblichen Engagement in der Weiterbildung zusammen.
Die im Rahmen des LEONARDO-Programms durchgeführte zweite europäische Erhebung zur betrieblichen Weiterbildung in 25 europäischen Ländern (CVTS II) förderte einen aus bundesrepublikanischer Perspektive zentralen Befund zutage: Der Anteil weiterbildender Unternehmen in Deutschland sinkt zwischen 1993 und der neueren Erhebung von 1999 von 85 Prozent auf 75 Prozent. In keinem anderen europäischen Land sind die Weiterbildungsaktivitäten rückläufig. Muss der Bildungsnotstand nun auch im Bereich der beruflichen Weiterbildung ausgerufen werden? Ländervergleichende Studien, die ihre Ergebnisse lediglich in Form von Ranking-Listen präsentieren, erklären nicht die Gründe, aus denen es zu einer solchen Entwicklung gekommen ist. Um ein tieferes Verständnis für die Veränderungen zu gewinnen, werden auf Länderebene eine Auswahl möglicher Einflussfaktoren auf betriebliche Weiterbildungsaktivitäten untersucht. Die Weiterbildungsaktivitäten der Unternehmen werden in Beziehung gesetzt zu strukturellen Indikatoren wie Arbeitsproduktivität, Beschäftigungswachstum, Arbeitslosenquote. Die Querschnittsanalyse beschränkt sich auf 14 europäische Länder. Die Analyse zeigt, dass das zentrale Kriterium für betriebliche Weiterbildungsaktivitäten das Beschäftigungswachstum darstellt. Demnach sind geringe Weiterbildungsaktivitäten der Betriebe offensichtlich primär dem geringen Beschäftigungswachstum geschuldet.
Die erhobenen Daten ermöglichen den Vergleich der betrieblichen Weiterbildung in 25 europäischen Ländern als auch die Veränderungen in Deutschland zwischen 1993 und 1999 darzustellen. Dabei werden die spezifischen Bedingungen und nationalen Besonderheiten der betrieblichen Weiterbildung in Deutschland berücksichtigt. Die Unterschiede werden anhand von vier Indikatoren beschrieben: Anteil der Unternehmen mit betrieblichen Weiterbildungsangeboten (Angebotsindikator), Anteil der Mitarbeiter, die 1999 an Weiterbildungsveranstaltungen teilgenommen haben (Zugangsindikator), Zahl der Kursstunden, die in den Unternehmen pro Jahr für die betriebliche Weiterbildung aufgewendet werden (Intensitätsindikator), die aufgewandten Kosten für die betriebliche Weiterbildung (Kostenindikator). Darüber hinaus werden Ergebnisse qualitativer Fragen zur betrieblichen Weiterbildungspolitik dargestellt.
Aus der Analyse der Weiterbildungsstatistik in Nordrhein-Westfalen geht hervor, dass Frauen vor allem bei den qualifizierten Massnahmen deutlich unterrepräsentiert sind. "Ihre 'Wiedereingliederung' findet vorwiegend in der Form von Anpassungsmassnahmen, daneben in Lehrgängen zur Verbesserung der Vermittlungsmöglichkeiten, sog. Paragraph 41 a-Kursen statt, die oft nur wenige Wochen dauern. Die Analyse zeigt auch, dass die Ursachen für die starke Unterpräsentierung von Frauen bei Aufstiegsmassnahmen nicht bei der fehlenden beruflichen und schulischen Vorbildung zu suchen sind, sondern beim zu einseitigen Schulungsangebot in allen wichtigen Frauenberufen (mit Ausnahme einiger kaufmännischer Berufe) sowie bei der Verknüpfung der Förderung mit der eigenen Vorleistung, wodurch Frauen mit familienbedingten Arbeitsmarktrisiken strukturell benachteiligt werden."
Die "Konsolidierung auf hohem Niveau", die die Bundesanstalt für Arbeit Mitte 1988 bei den Maßnahmen der Fortbildung und Umschulung eingeleitet hat, haben zu einem deutlichen Rückgang der Eintritte in Weiterbildungsmaßnahmen geführt. Dieser Rückgang war bei einzelnen Personengruppen und in verschiedenen Gruppen von Arbeitsamtsbezirken unterschiedlich stark ausgeprägt.
Das Forschungsprojekt "Bildungsentscheidung von Fernunterrichtsteilnehmern" ist Teil der Bemühungen, Verläßliches über die Struktur der Teilnehmerschaft am Fernunterricht zu erhalten. Da eine offizielle Fernunterrichtsstatistik - ebenso wie eine Weiterbildungsstatistik - fehlt, bedarf es einiger Hilfskonstruktionen, um wenigstens für Teilbereiche zutreffende Aussagen zu gewinnen. Die letzte zuverlässige Erhebung über Fernunterrichtsteilnehmer stammt aus den Jahren 1962-1965 und ist 1970 erschienen. Die Entwicklung der Teilnehmerzahlen am Fernunterricht zeigt, daß die damals gewonnenen Daten heute mit Sicherheit als überholt angesehen werden können.
Im vorliegenden Beitrag wird ein Überblick über die wichtigsten Erhebungen und Dokumentationen im Weiterbildungsbereich gegeben. Die vorhandenen Informationen sind äußerst lückenhaft und zu wenig differenziert bzw. treffsicher, um zur Lösung der aktuellen bildungs- und beschäftigungspolitischen Probleme beizutragen. Deshalb werden die wichtigsten Aspekte der Informationsgewinnung und -verarbeitung erörtert, die bei der Erfassung und Analyse des Bereichs berufliche Weiterbildung zu berücksichtigen sind.
Für die organisierte Form der beruflichen Weiterbildung werden die wichtigsten statistischen Datenquellen und deren Ergebnisschwerpunkte dargestellt. Eine regelmäßige, zentrale Statistik über alle Teilnehmer an beruflicher Weiterbildung besteht in der Bundesrepublik Deutschland nicht. Die Bundesanstalt für Arbeit führt in ihrer Statistik nur jene Fälle, bei denen eine Teilnahme nach dem AFG gefördert wurde. Erfolgsuntersuchungen zeigen, daß die Ziele der beruflichen Weiterbildung überwiegend realisiert wurden.
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