Der Gesundheitsbereich gerät infolge der demografischen Entwicklungen bei gleichzeitigen Fachkräfteengpässen unter Druck. Die BWP schaut mit dieser Ausgabe auf ein höchst dynamisches Berufsfeld und geht zum einen der Frage nach, wie Fachkräfte in den Gesundheitsberufen gewonnen und qualifiziert werden können. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf die zu vermittelnden medizinisch-fachlichen als auch sozial-kommunikativen Kompetenzen, die für eine interprofessionelle Zusammenarbeit immer wichtiger werden. Zum anderen geht es um die Frage, wie dieses Berufsfeld strukturell aufgestellt ist, um den künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein: Wie können Tätigkeits- und Entwicklungsperspektiven profiliert werden, damit die Attraktivität des Berufsfelds steigt und mehr Fachkräfte gewonnen werden können und dort bleiben?
Infolge der Neuordnung der Pflegeberufe und der Einführung von erstqualifizierenden Pflege-Studiengängen ergeben sich für die Zuordnung der Abschlüsse im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) neue Herausforderungen. Dies betrifft einerseits Aus-, Fort- und Weiterbildungsabschlüsse innerhalb des Berufsfelds Pflege und andererseits die Kongruenz zu Aus- und Fortbildungsabschlüssen nach BBiG/HwO. Der Beitrag beschreibt, warum eine strukturelle Weiterentwicklung des Berufsfelds Pflege in dieser Hinsicht erforderlich ist, und skizziert Lösungsmöglichkeiten für ein Laufbahnkonzept in der Pflege.
Infolge der demografischen Entwicklung in Deutschland wird mit einem steigenden Bedarf an Pflege- und Gesundheitsleistungen gerechnet. Für die Fachkräftesicherung in diesem Bereich ist dies mit großen Herausforderungen verbunden. Die BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen zeigen auf, wie sich Angebot und Bedarf in diesen Berufen langfristig entwickeln könnten.
Der Ausbildungsberuf Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r (ZFA) bietet wenige Aufstiegsmöglichkeiten. Zwei verbreitete Wege des Aufstiegs liegen in den Tätigkeitsfeldern Prophylaxe und Verwaltung. Eine nennenswerte Einkommenssteigerung sowie ein erweitertes Aufgabenspektrum sind darüber aber nicht zu erreichen, da insbesondere das Zahnheilkundegesetz und berufspolitische Rahmenbedingungen stark reglementierend wirken. Mit dem Bachelor of Science in Dentalhygiene und Präventionsmanagement werden erste Akademisierungstendenzen im Berufsfeld deutlich. Vor diesem Hintergrund werden im Beitrag Entwicklungsmöglichkeiten der ZFA nachgezeichnet und kritisch beleuchtet.
Auf Initiative des BIBB wurde erstmals für die drei dualen ärztlichen Helferinnenberufe ein gemeinsames am Arbeitsmarkt orientiertes modulares berufliches Weiterbildungskonzept im Bereich des mittleren Managements im Gesundheitswesen entwickelt und in Kammerregelungen - gemäß § 54 Berufsbildungsgesetz BBiG - umgesetzt. Mit dem neuen Weiterbildungskonzept verbessern sich die vertikalen und horizontalen Auf- und Durchstiegsmöglichkeiten für diese Berufsgruppe - die sich überwiegend aus Frauen rekrutiert - innerhalb des Berufsfeldes entscheidend. Damit steigen ihre Beschäftigungs- und Karrierechancen im Gesundheits-, Sozial- und im Veterinärwesen. Darüber hinaus plant das BIBB, die in der Weiterbildung erworbenen Qualifikationen durch (hochschulkompatible) Leistungspunkte zu bewerten und auf weiterführende hochschulische Bildungsangebote anrechenbar zu machen.
Eine Studie hat die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten durch Fort- und Weiterbildung in ausgewählten Berufsbereichen des Gesundheits- und Sozialwesens erfasst und die Arbeitsmarktrelevanz der wichtigsten Fort- und Weiterbildungsqualifikationen geprüft. Die Analyse zeigt, dass die Struktur des Fort- und Weiterbildungssystems grundsätzlich in hohem Maße durch Intransparenz gekennzeichnet ist. Vor dem Hintergrund der länderspezifischen Qualifizierungsregelungen hat sich eine äußerst problematische Qualifizierungsvielfalt entwickelt. Der Verfasser plädiert in Anbetracht dieser Situation für Bundesregelungen in der beruflichen Weiterbildung, die den Zugang, die Qualitätssicherung, die Zertifizierung sowie die Finanzierung der Weiterbildung betreffen, als einen ersten und wichtigen Schritt.
In Deutschland arbeiten 301.888 Pflegekräfte im Operationsdienst, davon haben 20.300 keine Fachweiterbildung. Das neue Berufsbild OTA, das sich schon in einigen Operationsabteilungen etabliert hat, sowie seine zahlreichen Kritiker veranlassten die Autoren, das Thema empirisch zu untersuchen. Herauszufinden war, wie das tatsächliche Stimmungsbild gegenüber dem Berufsbild OTA in den Operationsabteilungen und besonders auf der Ebene des Pflegemanagements ist. Der Beitrag stellt Ergebnisse dar zur Entwicklung des Berufsbildes in Deutschland, zu den Einsatzmöglichkeiten sowie der Einstellung zum Berufsbild. Als Fazit halten die Autoren fest, dass die OTA-Ausbildung einen festen Platz unter dem Dach der Krankenpflege einnehmen sollte. Wünschenswert wäre eine konzeptionelle Eingliederung in die bestehende Krankenpflegeausbildung.
Dargestellt werden Stand und Entwicklung dualer Ausbildungsgänge im Bundesstaat Maine, bei denen im Rahmen des "Maine Career Advantage Program" die Prinzipien des deutschen dualen Systems, ergänzt um neue Systemkomponenten, eingeführt werden. Das Programm wird vom "Maine Technical College System" betreut, das auch den Unternehmen gegenüber als Vertragspartner auftritt. Die Bandbreite der Berufsfelder, in denen ausgebildet wird, reicht von Wirtschaft und Verwaltung über die klassischen Produktions- und Wartungsberufe der Metall- und Elektroindustrie bis hin zu Hauswirtschaft und Gesundheit. Der Beitrag informiert über die Finanzierung des Programms, die Kooperation von Betrieben und Schulen, die ersten Ergebnisse und die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Institutionen in der Bundesrepublik.
Kaufmännische Ausbildungsmöglichkeiten fehlen unter anderem im Messe-, Ausstellungs- und Tagungsbereich, im Gesundheitswesen und für Sportvereine. Mit der Schaffung entsprechender neuer Berufe können nach Schätzungen des deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) insgesamt 1650 Ausbildungsplätze jährlich entstehen. Ausgehend von diesen Vorschlägen für neue kaufmännische Ausbildungsberufe und dem damit geschätzten Bedarf, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung einen neuen kundenorientierten Querschnittsberuf mit dem Arbeitstitel "Dienstleistungskaufmann/Dienstleistungskauffrau" vorgeschlagen. Seine Aufgabengebiete sind die Bereiche Einkauf, Marketing, Beratung und Betreuung von Kunden, Verkauf, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen sowie Rechnungswesen und Personalwesen.
Im Zuge der Diskussion um die Attraktivität des dualen Systems stellt sich die Frage, ob eine vollqualifizierende schulische Berufsausbildung eine Alternative zur Lehre darstellt. Dazu wurden Absolventen und Absolventinnen stärker besetzter Berufsrichtungen und, zur Ergänzung, höherer Handelsschulen nach ihren beruflichen Zielen, der Einschätzung ihrer Ausbildung und dem Übergangsverlauf befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass je nach Fachrichtung schwerpunktmäßig unterschiedliche Ziele und Qualifikationserwartungen mit dem Berufsfachschulbesuch verknüpft wurden. Der Übergangsverlauf an der zweiten Schwelle stellt sich im Vergleich mit Absolventen des dualen Systems nicht schlecht dar. Dass der Besuch der Berufsfachschule als Ersatz für eine Ausbildung im dualen System herhalten musste, geben insgesamt nur fünf Prozent der Befragten an. Eine Konkurrenz zur betrieblichen Ausbildung oder Warteschleifenfunktion lässt diese Befragung nicht erkennen. Vielmehr stellt die Berufsfachschule ein ebenso qualifiziertes wie qualifizierendes Angebot bereit, das ihren Absolventen anderweitig offensichtlich nicht zur Verfügung steht.
The documents made publicly accessible on this website, including associated data such as images, graphics and multimedia files, are protected by copyright. The respective authors are responsible for content. Individual reproductions such as copies and print-outs may only be made for private and other personal use (§ 53 German Copyright Law, UrhG). The legally permitted uses for teaching, science and institutions (§§ 60a ff. UrhG), in particular for the purpose of non-commercial scientific research, remain unaffected by this. In addition, reproduction, distribution and making available to the public are only permitted with the express permission of the publisher and with a reference to the source. This applies in particular in respect of reproduction and archiving of documents on electronic data media or on another server. Users themselves are responsible for compliance with legal stipulations and may be held liable in the event of misuse.