1996 gab das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie ein sogenanntes Bildungs-Delphi in Auftrag. Erforscht werden sollte das Expertenurteil zur Frage, was die Bildungssysteme in Zukunft leisten sollten und wie sie sich wahrscheinlich bis 2020 entwickeln werden. Für die Berufsbildung stellten Helmut Kuwan, Joachim Gerd Ulrich und Heinz Westkamp die Ergebnisse 1998 in einem BWP-Artikel vor. 22 Jahre später wagt die BWP im Interview mit einem der drei Autoren den Blick zurück, aber auch in die Zukunft.
Mit der Ratsempfehlung vom 20. Dezember 2012 haben sich die EU-Mitgliedstaaten das Ziel gesetzt, bis 2018 nationale Systeme für die Validierung nicht formalen und informellen Lernens einzuführen. Kompetenzen, die am Arbeitsplatz, zu Hause, in der Freizeit oder im Ehrenamt erworben wurden, sollen durch Validierungsverfahren sichtbar und im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt verwertbar gemacht werden. Die Einführung eines solchen Systems steht in Deutschland noch aus. In einem BIBB-Forschungsprojekt wurden mögliche Szenarien zur Anerkennung von Kompetenzen entwickelt und von Expertinnen und Experten bewertet. Der Beitrag stellt erste Ergebnisse zu den Szenarien und zu zentralen Aspekten von Validierungsverfahren vor.
Die Sicherung zukunftsfähiger Qualifikationen durch die berufliche Aus- und Weiterbildung ist eine zentrale Aufgabe der Bildungsforschung. In einer bundesweiten Delphi-Studie haben das Bundesinstitut für Berufsbildung (www.bibb.de) und infas Experten nach deren Einschätzung der wichtigsten Forschungs- und Entwicklungsaufgaben gefragt. Ziel der Delphi- Befragung ist es, Lücken in der Berufsbildungsforschung zu identifizieren und die Forschungsplanung insgesamt auf eine breite Basis zu stellen. Im Beitrag werden erste Ergebnisse vorgestellt.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) startete einen ersten Versuch, die Delphi-Methode in der Forschungsplanung einzusetzen. Mitarbeiter des BIBB wurden gebeten, Ideen und Vorschläge für zukünftige Forschungs- und Entwicklungsaufgaben der beruflichen Bildung zu formulieren. Die Ergebnisse sollen die Forschungsplanung im BIBB unterstützen und für die Überarbeitung der Forschungsprioritäten herangezogen werden. Der Beitrag stellt Forschungsvorschläge aus der zweiten Delphi-Runde vor, die als besonders wichtig für die Fortentwicklung der beruflichen Bildung eingestuft wurden, und zieht Schlussfolgerungen für zukünftige Anwendungen. Ausgehend von den vorliegenden Ergebnissen zeigt sich, dass sich die Forschungs- und Entwicklungsaufgaben des BIBB vor allem auf drei Ebenen bewegen: der Gewinnung, Analyse und Systematisierung von Daten, der Bewertung und Interpretation von aktuellen Entwicklungen aus der Sicht unterschiedlicher Entscheidungsträger (z.B. Politik, Betriebe, Individuum) sowie einer informationstechnisch gestützten Vermittlung (Service) von zentralen Ergebnissen der Berufsbildungsforschung und -entwicklung.
Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) gab eine Delphi-Studie (eine auf die Zukunft ausgerichtete Expertenbefragung) in Auftrag, die sich mit der Zukunft des deutschen Bildungssystems bis zum Jahre 2020 beschäftigte. Untersucht wurden die Auswirkungen der Wissensgesellschaft auf die Bildungsprozesse und -strukturen. Zum einen wurden die Experten befragt, was die Bildungssysteme ihrer Ansicht nach in Zukunft leisten sollten, zum anderen sollten sie einschätzen, wie sich die Bildungssysteme wahrscheinlich entwickeln werden. Der Beitrag stellt die Ergebnisse des Bildungs-Delphi 1997/98 zum Bereich der beruflichen Bildung dar. Dem Urteil der Experten zufolge besteht im Bildungssystem Veränderungsbedarf, wobei dem Hochschul- und allgemeinbildenden Schulsystem ein höherer Reformbedarf attestiert wird. Im Bereich der beruflichen Bildung erwarten die Experten die Reform und Modernisierung der Berufsschulbildung, die Differenzierung der beruflichen Erstausbildung (zweijährige und überwiegend praktische Bildungsgänge, Zusatzqualifikationen), die Tertiarisierung der dualen Ausbildung (höherer Anteil von Absolventen der Berufs- und Wirtschaftsakademien), eine enge Verzahnung von Aus- und Weiterbildung, die Medialisierung und die Internationalisierung der beruflichen Bildung (wie z.B. neue international anerkannte Abschlüsse). Zweifel hegen die Experten in bezug auf Fortschritte bei der Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung und der verbesserten Förderung von Benachteiligten und Behinderten. Übersichten stellen die überwiegend erwünschten und zugleich erwarteten Entwicklungen dar sowie erwünschte Entwicklungen, die aber nur von einer Minderheit der Experten auch erwartet werden.
Der Technikeinsatz in Wirtschaft und Gesellschaft ist einer der Hauptfaktoren des beruflichen Qualifikationsbedarfs. Der Deutsche Delphi-Bericht, der in dem Beitrag rezensiert wird, ist eine Vorausschau von Sachverständigen auf die technische Entwicklung bis etwa 2020. Im Mittelpunkt der Besprechung steht die Frage, ob die Delphi-Studie eine Hilfe für das Erkennen technikinduzierter Problemlagen in der Berufsbildungsforschung sein kann. Der Beitrag kommt zu dem Schluß, daß eine direkte inhaltliche Nutzanwendung des Delphi-Berichtes für Folgeanalysen in der Qualifikationsforschung gering ist. Dennoch können seine richtungweisenden Ergebnisse und ihre Folgen für die berufliche Qualifizierung von Bedeutung sein. Das Bundesinstitut für Berufsbildung müßte nun Expertenbefragungen in allen Technikfeldern durchführen, die von Relevanz für die zukünftigen Qualifikationsanforderungen sind und dabei neue Merkmale der zukünftigen Arbeits- und Berufswelt feststellen. Eine weitere indirekte Nutzanwendung besteht in der Übernahme der Delphi-Methode auf die Forschungsplanung in der beruflichen Bildung, insbesondere zur Unterstützung der Szenario-Technik.
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