Auf dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage und der noch nicht erkennbaren Perspektive vieler neuer und alter Unternehmen kann gegenwärtig in den neuen Bundesländern noch nicht von einer effizienten beruflichen Weiterbildung gesprochen werden. Die vielen Maßnahmen mit einem breitgefächerten Angebot sind kein Indiz für einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung und schaffen schließlich auch keine neuen Arbeitsplätze. Der unkritische Transfer von Modellen beruflicher Weiterbildung aus den alten Bundesländern stößt auf erhebliche Probleme, die sowohl objektive als auch subjektive Ursachen haben.
Die Überwindung alter Strukturen der zentralen staatlichen Reglementierung der betrieblichen Weiterbildung als Teil der früheren Planwirtschaft ist ein objektiver Prozeß, der offenbar komplizierter und vielschichtiger ist, als zunächst vermutet wurde. Der Markt als bestimmender Faktor beruflicher Weiterbildung kann sich in der Talsohle wirtschaftlicher Entwicklung nicht durchsetzen und damit nicht wirksam werden. Das führt bereits wieder dazu, daß von außen durch gezielte Maßnahmen in den Aufbau von vorgedachten Strukturen beruflicher (und individueller) Weiterbildung eingegriffen wird bzw. werden muß, um vielen verunsicherten Menschen in den neuen Bundesländern eine Perspektive aufzuzeigen.
Der Aufbau von Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaften ist dafür ein Beispiel. Die damit bereits vorgegebene Organisationsform und die inhaltliche Fremdbestimmung der beruflichen Weiterbildung durch andere sind nicht dazu angetan, Risikobereitschaft und Unternehmergeist der Menschen zu fördern. Der Selbstorientierung und Selbstbestimmung der Menschen auf der Suche nach dem persönlichen Lebensziel wird damit kein guter Dienst erwiesen.
Zum anderen liegen die größten Probleme und auch Reserven bei den Menschen, die sich beruflich weiterbilden, und bei den Bildungsträgern, die neues Wissen und Können vermitteln wollen.
Über die mit Lehrprogrammen erreichbaren Lernerfolge gibt es wenig gesichertes Wissen. Hohe Erwartungen, oft gekoppelt mit Unkenntnis und Naivität über die Lernvoraussetzungen und Einsatzbedingungen, werden häufig enttäuscht. Hinzu kommt, daß sich generell Lernerfolge, die sich in verbesserter Handlungsfähigkeit äußern, nicht sofort messen lassen und Ursache-Wirkungs-Zuordnungen meist nur schwer möglich sind. Der Beitrag liefert auf der Grundlage einer empirischen Vergleichsuntersuchung von traditionellen Lehrgängen und neuen Lehrprogrammen Daten zur pädagogichen Wirksamkeit beider Vorgehensweisen.
In Bildungspolitik und Berufsbildungsforschung nehmen gegenwärtig Diskussionen über die Bestimmung und Operationalisierung von Qualitätskriterien in der beruflichen Bildung einen breiten Raum ein. Ziel der hier vorgestellten Überlegungen ist es, das Thema Qualität aus den Traditionen, denen es bis heute verhaftet ist, herauszuführen: Qualität nicht mehr nur als formale Kategorie empirisch gestützter Praxiserkundungen, sondern vor allem auch als (berufs- )pädagogisches und (betriebs-)organisatorisches Gestaltungselement vorzustellen. In diesem Zusammenhang geht es auch darum, wissenschaftlichen Untersuchungsbedarf und Forschungslücken in diesem Bereich zu skizzieren.
In diesem überarbeiteten Beitrag für das Kontaktseminar der Berufsbildungsinstitute deutschsprachiger Länder (Zollikofen, Februar 1991) konstatiert der Autor ein neues Interesse an der Berufsbildungsforschung, das auch die Weiterbildungsforschung einschließt, befaßt sich mit Merkmalen der Weiterbildung und Barrieren der Forschung, analysiert Beiträge zur Weiterbildungsforschung aus zahlreichen Forschungsbereichen, geht auf den Beitrag des Bundesinstituts für Berufsbildung ein (Struktur- und Bildungsökonomieforschung, Fortbildungsordnungsforschung, Lernforschung, Fernunterrichtsforschung, Begleitforschung, Qualitätsforschung) und zeigt abschließend Defizite und Perspektiven auf.
Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft hat sich im Herbst vergangenen Jahres die "Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e. V." konstituiert, dem als persönliche Mitglieder Forscher aus dem gesamten Bundesgebiet angehören. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft ist Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Meyer-Dohm, Leiter des Bereiches Personalentwicklung in der Volkswagen AG. Dr. Edgar Sauter, Leiter der Hauptabteilung Weiterbildungsforschung im Bundesinstitut für Berufsbildung, gehört dem Vorstand in beratender Funktion an. Die Arbeitsgemeinschaft hat ein ständiges Forschungssekretariat in Bochum errichtet und Herrn Dr. Rudolf Husemann zum Geschäftsführer berufen.
"Weiterbildung von Frauen" als Schwerpunktbereich der Weiterbildungsforschung ist relativ neu: angesichts einer gegenüber den Männern überproportional hohen Frauenarbeitslosigkeit setzten erst Ende der siebziger Jahre Bemühungen ein, Frauen verstärkt für Weiterbildung zu aktivieren. Es stellte sich jedoch sehr bald heraus, daß sich das Weiterbildungsverhalten von Frauen nicht entsprechend einer gewünschten höheren Beteiligung an berufsfördernden Maßnahmen verändern ließ.
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