Kaum ein anderes Land der Erde hat in den latzten Jahren eine schnellere Entwicklung in der Wirtschaft und im Bildungswesen erlebt als Saudi-Arabien. Insbesondere im technischen Bereich wird mit gewaltigen finanziellen Anstrengungen versucht, ein modernes System beruflicher Bildung aufzubauen. Wie ist dieses System beschaffen, das vor allem unter dem Einfluß von Beratern westlicher Industrienationen entstanden ist und durch traditionelle "Vorgaben" in Saudi-Arabien kaum belastet war?
Die fachliche Förderung und insbesondere die pädagogische Aus- und Weiterbildung der betrieblichen Ausbilder werden in Zukunft noch größere Bedeutung erlangen, weil die Aufgaben des Ausbilders nicht leichter werden und das duale System in Zukunft auch im Wettbewerb zu schulischen Angeboten stehen wird. Dabei wird man sich verstärkt auch den Ausbildern zuwenden müssen, die bisher nur in geringem Maße erreicht und gefördert werden konnten. Im folgenden sollen einige Strukturdaten des Ausbildungspersonals und daraus folgende Ansätze zur Weiterbildung dieses Personenkreises gegeben werden.
Im Rahmen der vom Bundesminister für Bildung und Wissenschaft finanziell geförderten und vom BIBB betreuten Modellversuche in der außerschulischen Berufsbildung werden seit einigen Jahren verstärkt Versuche zur Berufsvorbereitung und Berufsausbildung lernschwacher und sozial benachteiligter Jugendlicher durchgeführt. Die bisher vorliegenden Erfahrungen und Ergebnisse sind durchaus ermutigend; ein großer Teil der in diesem Vorhaben ausgebildeten Jugendlichen konnte das Ausbildungsziel erreichen bzw. wird es voraussichtlich erreichen können. Auf der anderen Seite ist jedoch auch eine gewisse Ernüchterung insofern eingetreten, als die Maßnahmen nicht in jedem Fall zum gewünschten Erfolg führen, also offensichtlich noch Verbesserungen und Ergänzungen nötig sein werden. Im Beitrag werden einige Vorschläge für mögliche künftige Modellversuche skizziert, die sich weitgehend aus der bisherigenBetreuung laufender Modellversuche ergeben haben. Er ist als allgemeiner Bezugsrahmen gedacht, an dem sich die Weiterarbeit auf diesem Felde unter Berücksichtigung der jeweiligen regionalen und sektoralen Gegebenheiten orientieren könnte.
Die Aufgabe der Aus- und Weiterbildung des Ausbildungspersonals in der beruflichen Bildung stellt an die betreffenden Referenten bzw. Dozenten, Moderatoren, Lehrgangsleiter und Organisatoren neben den fachlichen Voraussetzungen in zunehmendem Maße pädagogische Anforderungen. Ein Großteil der Ausbilder verfügt inzwischen über pädagogischeGrundkenntnisse. Daneben tritt die Forderung nach einem stärkeren Bezug zur betrieblichen Ausbildungspraxis, nach Aufarbeitung von Problemen und Austausch von Erfahrungen aus der Ausbildungstätigkeit. Beide Aspekte fordern stärker als bisher, daß die Lernangebote für das Ausbildungspersonal offen, flexibel und auf die Bedürfnisse derTeilnehmer bezogen entwickelt werden. Solche Lernangebote erfordern vom Referenten didaktische und methodische Flexibilität bei der Lehrgangsgestaltung, Kenntnisse über das Arbeits- und Handlungsfeld des Ausbildungspersonals und die Fähigkeit und Bereitschaft, für die teilnehmeraktiven Lernformen geeignete Lernmaterialien oder Lehrgangsunterlagen zu entwickeln.
Mit den Modellehrgängen "Ausbilderförderungszentrum" wird die Absicht verbunden, neue Maßnahmen zur Förderung des Ausbildungspersonals zu entwickeln und zu erproben. Dabei stellen sich u. a. eine Reihe curricularer Fragen, über die zu Beginn des Modellversuchs nur relativ wenig Klarheit bestand. Insbesondere lagen nur wenig erfahrungswissenschaftliche Daten über die Zielgruppe "Ausbilder" vor.
Im folgenden Beltrag werden Ergebnisse einer empirischen Untersuchung des BIBB zur Aus- und Weiterbildung von betrieblichen Ausbildungspersonen vorgestellt. Ausgehend von den vorhandenen fachlichen und pädagogischen Qualifikationen der Ausbildungspersonen werden deren Vorstellungen und Erwartungen hinsichtlich der organisatorischen und inhaltlichen Gestaltung ihrer pädagogischen Weiterbildung dargestellt. Darüber hinaus werden betriebliche Informations- und Entscheidungsstrukturen ln der Ausbilderweiterbildung aufgezeigt.
Der Beitrag ist Teil 4 der in Heft 2/75 BWP begonnenen Serie; der 3. Teil behandelte die Versuchslehrgänge des CJD in Hausen. Durchführungsträger der Versuchslehrgänge in Berlin waren die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Industriegewerkschaft Metall (IGM) in Verbindung mit dem Berufsfortbildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Durchführungsträger der Versuchslehrgänge in Hausen war das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD).
ln einer Artikelserie werden wesentliche Ergebnisse und Erfahrungen aus Untersuchungen von Versuchslehrgängen zur Qualifizierung betrieblicher Ausbilder in Kurzfassung wiedergegeben. Sie beziehen sich auf das im Forschungsprogramm 1973/74 des BBF aufgeführte Projekt "Grundlagen für die berufs- und arbeitspädagogische Qualifizierung von Berufsausbildern im Sekundarbereich II". Alle Versuchslehrgänge sind abgeschlossen und ausgewertet. Die Erfahrungen und Ergebnisse sind eine mögliche Orientierungshilfe für Bildungspolitik, -planung und -forschung sowie für Bildungspraxis.
The documents made publicly accessible on this website, including associated data such as images, graphics and multimedia files, are protected by copyright. The respective authors are responsible for content. Individual reproductions such as copies and print-outs may only be made for private and other personal use (§ 53 German Copyright Law, UrhG). The legally permitted uses for teaching, science and institutions (§§ 60a ff. UrhG), in particular for the purpose of non-commercial scientific research, remain unaffected by this. In addition, reproduction, distribution and making available to the public are only permitted with the express permission of the publisher and with a reference to the source. This applies in particular in respect of reproduction and archiving of documents on electronic data media or on another server. Users themselves are responsible for compliance with legal stipulations and may be held liable in the event of misuse.