Die Vorschläge zur Weiterentwicklung des deutschen Berufsbildungssystems durch neue Strukturen in der Berufsausbildung bewegen sich noch immer auf vermintem Gelände - vor allem, wenn die Reformansätze sogenannte Ausbildungsbausteine bzw. Module im Blick haben. Im Beitrag werden die neueren Strukturmodelle der Berufsausbildung, die Ende 2006 und Anfang 2007 von verschiedenen Akteuren ins Spiel gebracht wurden, vergleichend dargestellt und bewertet. Im einzelnen geht es um den Vorschlag des BMBF zur Entwicklung von Ausbildungsbausteinen durch Erprobungsverordnungen, die BDA-Initiative "Neue Strukturen in der dualen Ausbildung", den DIHK-Ansatz "Dual mit Wahl" sowie die DHKT-Reformüberlegungen "Flexibilität in der Berufsausbildung". Favorisiert werden die beiden letzten Modelle, wobei es vor allem darauf ankommt, Modularisierung als Gestaltungsaufgabe zu verstehen.
Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben den Entstehungsprozess des Vorschlags für einen Europäischen Qualifikationsrahmen intensiv begleitet und sich in ausführlichen Konsultationen mit politischen Entscheidungsträgern, den Sozialpartnern und der Fachöffentlichkeit über dieses Thema auseinandergesetzt. Sie haben gemäß dem derzeitigen Wissens-, Diskussions- und Entwicklungsstand auf die im Konsultationsdokument gestellten Fragen gezielt geantwortet und sich zum Arbeitspapier der EU-Kommission "Auf dem Weg zu einem Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen" mit einer eigenen Stellungnahme positioniert. Die Ziele, die mit seiner Einführung verfolgt werden, werden grundsätzlich von der deutschen Wirtschaft mitgetragen; er müsse jedoch am Bedarf der Wirtschaft und am Nutzen für die Unternehmen ausgerichtet sein und Prämissen erfüllen, die im Beitrag dargelegt und erläutert werden.
Die Forderung nach Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung ist seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ein Dauerthema. Gegenwärtig erlangt das Thema neuen Auftrieb durch den Konsultationsprozess zum europäischen Qualifikationsrahmen, durch die Förderung des BMBF von Initiativen zur "Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge" sowie durch die kontrovers geführte Diskussion um die ergänzende Bezeichnung "Bachelor Professional" für hochwertige berufliche Fortbildungsabschlüsse. In diesem Beitrag geht es um einen spezifischen Aspekt der Gleichwertigkeit, nämlich um die Frage des Zugangs zur Hochschule für berufliche Qualifizierte, die keine schulische Zugangsberechtigung aufweisen. Der Zugang zur Hochschule ist der entscheidende erste Schritt, dem die weiterführende Frage nach der studienzeitverkürzenden Anrechnung von beruflichen Qualifikationen folgt.
Das Kuratorium der deutschen Wirtschaft für Berufsbildung (KWB) hat unter Federführung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) ein Konzept für einen nationalen und europäischen Qualifikationsrahmen vorgelegt. Damit soll ein aktiver und zielorientierter Beitrag in der sich intensivierenden politischen Diskussion zu den Themen Qualifikationsrahmen, Leistungspunktesystem sowie Durchlässigkeit geleistet werden. Kernforderung: Künftig soll nicht der absolvierte Bildungsweg, sondern die Kompetenz vorrangig bewertet werden: Die Bildungseinrichtungen müssen die Lernergebnisse in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen. Es darf nicht länger entscheidend sein, wo und wie jemand etwas gelernt hat, sondern was er oder sie kann." Vorgeschlagen wird ein sechsstufiger Qualifikationsrahmen zur Einordnung von Kompetenzen, der sowohl die berufliche wie auch die hochschulische Bildung umfasst. Auf europäischer Ebene ist wichtig, dass die in Deutschland über eine duale Ausbildung oder berufliche Weiterbildung erworbenen Kompetenzen richtig eingeordnet werden und nicht wie bisher gegenüber schulischen Bildungswegen benachteiligt werden. Der Beitrag erläutert die Voraussetzungen und Grundlagen des Modells, die NQF-Niveaustufenarchitektur sowie die Umsetzung der Modularisierung im Rahmen dieses Konzepts.
Das deutsche Handwerk will das berufliche Bildungssystem flexibler und leistungsfähiger gestalten. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat dafür ein Konzept entwickelt, das auf flexiblere, aber gleichzeitig leistungsfähige und qualitätssichernde Strukturen der beruflichen Bildung zielt. Zentrales Anliegen des Reformvorschlages ist es, der Jugend neue Ausbildungsperspektiven zu eröffnen, die Aus- und Weiterbildungsbereitschaft der Betriebe zu fördern sowie Aus- und Weiterbildung stärker zu verzahnen. Als konsequente Weiterentwicklung des dualen Systems wird eine stärkere Differenzierung der Ausbildung angestrebt, die gemeinsame Kernqualifikationen sowie mehrere bundeseinheitlich geregelte Wahlpflichtbausteine vorsieht. Weitere Elemente sind die Kooperation der Lernorte, die Modernisierung des Prüfungswesens und neue Fortbildungswege.
Die Bundesregierung greift mit ihrer Forderung, im Zuge der Modernisierung der Ausbildungsberufe auch neue Berufe mit überwiegend praktischen Anforderungen zu entwickeln, Vorschläge aus früheren Jahren auf, die damals unter Schlagworten wie "theoriegeminderte Ausbildungsberufe", "Helferberufe" oder "Benachteiligtenberufe" diskutiert wurden. Gemeinsam ist allen Vorschlägen, das Anspruchsniveau der Ausbildung zu reduzieren bzw. anders auszurichten, um die Ausbildungschancen für Jugendliche mit ungünstigeren Lernvoraussetzungen zu erhöhen. Der jüngste Vorschlag hebt sich von den früheren allerdings positiv durch das eindeutige Bekenntnis zum Berufskonzept und zur Arbeitsmarktorientierung ab. Trotzdem ist dieses Konzept wenig tragfähig. Alternative Strategien wie Zertifizieren von Teilkompetenzen und Nachholen von Ausbildungsabschlüssen im Verbund mit Beschäftigung - die auch im neuen Programm zum Abbau von Jugendarbeitslosigkeit eine Rolle spielen - versprechen hier mehr Erfolg.
Der Beitrag ordnet die zwanzig Empfehlungen des überparteilichen Forums "Jugend - Bildung - Arbeit" zur Überwindung der Ausbildungs- und Arbeitslosigkeit junger Menschen in den berufsbildungspolitischen Kontext ein. In diesem Forum hatten sich 32 unabhängige Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verwaltung und sozialer Praxis zusammengeschlossen und ein Memorandum erarbeitet, das am 26. Juni 1998 dem Bundespräsidenten übergeben wurde. Gefordert werden insbesondere strukturelle Veränderungen im Ausbildungssystem und bei den Fördermaßnahmen.
Unter dem Gesichtspunkt der Modularisierung wird darüber nachgedacht, ob die Berufseinstiegsprobleme von benachteiligten Jugendlichen nicht durch einfachere, theoriegeminderte bzw. zeitlich verkürzte Ausbildungsgänge gelöst werden können. Die Modularisierungsdiskussion wird dabei auf das Ziel gelenkt, nicht mehr alle Module eines Berufsbildes zu vermitteln und so den Weg zum anerkannten Berufsabschluss einfacher zu gestalten. In dem Beitrag werden diese Sonderausbildungsgänge unter den Aspekten Berufsfähigkeit, Bedarf an Kurzausbildungsgängen, europaweite Anerkennung der deutschen Ausbildung und Ausbildungsaufwand kritisch beleuchtet. Die Einführung von Sonderberufen und zeitlich verkürzten Ausbildungsberufen wird abgelehnt. Für Jugendliche, die trotz Förderung den vollwertigen und bundeseinheitlichen Ausbildungsabschluss nicht erreichen, wird ein neues zusätzliches Zertifizierungsverfahren auf der Ebene von Berufsbildpositionen unter Beibehaltung des Berufskonzepts und der Abschlussprüfung vor der zuständigen Stelle vorgeschlagen.
Das Benachteiligtenprogramm (AFG § 40c) hat wesentlich zur bundesweiten Verankerung des sozialpädagogischen Förderansatzes in der Zusammenarbeit von Ausbildern, Sozialarbeitern und Lehrern beigetragen. Der Beitrag geht der Frage nach, wie tragfähig der Förderansatz ist, um auch den zukünftigen Aufgaben der Benachteiligtenförderung gerecht zu werden. Als Bewertungsmaßstab wird das Ziel "Ausbildung für alle Jugendlichen" herangezogen. Analysiert werden die Ursachen der Ausbildungslosigkeit und präventive Maßnahmen im Bereich der beruflichen Bildung, die den Zugang, die Struktur der Berufsausbildung und die Verringerung der Abbruchquote betreffen. Ein letzter Abschnitt befasst sich mit ergänzenden Förderstrategien zum Nachholen von Berufsabschlüssen. Hier erscheint besonders die Kombination von Qualifizierung und Beschäftigung erfolgversprechend.
Eine modulare Gestaltung von beruflichen Qualifizierungswegen wird vielfach im Gegensatz und als Gefahr für das deutsche Berufskonzept betrachtet. Im Bereich der beruflichen Weiterbildung könnte sie - bei gleichzeitig stärkerer Nutzung des Lernfeldes Arbeitsplatz - aber helfen, zwei grundlegende Probleme abzubauen, nämlich die mangelnde Transparenz der Weiterbildungsangebote und den Ausschluss sogenannter lernferner Personengruppen von Fortbildung, Umschulung und Nachqualifizierung. Der Beitrag setzt sich mit den Bedingungen auseinander, wie eine Synthese von Modul- und Berufskonzept unter Beibehaltung der jeweiligen Vorteile und Ausschluss der jeweiligen Nachteile erreicht werden kann.
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