Der Strukturwandel in Wirtschaft und Arbeit erfordert gut qualifizierte Fachkräfte, gerade auf mittlerer Qualifikationsebene. Bereits heute zeigen sich jedoch Fachkräfteengpässe in einzelnen Branchen und Berufen. Gleichzeitig nehmen Hinweise zu, dass ein erhebliches Potenzial an Fachkräften nicht genutzt wird. Entgegen dem Trend, den Fachkräftemangel zu beklagen, richtet diese BWP-Ausgabe den Blick auf Fachkräftepotenziale und geht der Frage nach, was heute zu tun ist, um Potenziale durch passgenaue Aus- und Weiterbildung, mehr qualifizierte Zuwanderung und zielführende Integrationsprozesse besser zu erschließen.
Der Übergangsbereich bietet Jugendlichen ohne direkten Ausbildungszugang alternative Qualifizierungswege. Die Zielgruppe ist dabei äußerst heterogen und die Maßnahmen verfolgen unterschiedliche Teilziele. Im Beitrag wird anhand der BA-BIBB-IAB-Bewerberstudie 2024 untersucht, inwiefern ausgewählte Bildungsmaßnahmen im Übergangsbereich die Einmündung in berufliche Ausbildung fördern.
Im Jahr 2023 erreichte die Zahl junger Erwachsener im Alter von 20 bis 34 Jahren ohne Berufsabschluss mit 2,79 Millionen Personen ihren bisherigen Höchststand. Im Jahr 2024 ist sie erstmals seit neun Jahren wieder rückläufig. Diese Entwicklung wird im Folgenden dargestellt und die Ergebnisse differenziert nach Schul- und Berufsabschluss erläutert. Zur Identifizierung von Fachkräftepotenzialen lohnt zudem ein Blick auf die Arbeitsmarktsituation junger Erwachsener.
Wie lassen sich Fachkräftepotenziale schon in der Schule entdecken und fördern? Produktives Lernen zeigt, wie praxisnahes und individuell begleitetes Lernen Jugendlichen mit unterschiedlichen Voraussetzungen neue Chancen eröffnet. Durch die enge Kooperation mit Betrieben werden aus vermeintlich abschlussgefährdeten Schülerinnen und Schülern motivierte Auszubildende. Im Beitrag werden das Konzept des Produktiven Lernens erläutert sowie Kennzahlen zur Verbreitung und Ergebnisse zur Einschätzung der Wirksamkeit vorgestellt.
Der Weg zur Arbeit und damit empfundene Belastungen haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten. Sofern dies auch für Auszubildende zutrifft, stellt sich die Frage, ob jene, die eine größere Distanz zu ihrem Ausbildungsbetrieb zurücklegen müssen, eher geneigt sind, ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig zu lösen, als junge Menschen die ihre Ausbildungsstelle am Wohnort haben. Im Beitrag wird auf Basis der Berufsbildungsstatistik dieser Frage nachgegangen.
Die Berufsbildung für Erwachsene hat in der Schweiz bildungspolitisch an Gewicht gewonnen. Mittlerweile eröffnen vier institutionalisierte Wege Erwachsenen den Zugang zu einem Berufsabschluss, was zu einer stetigen Zunahme der Abschlüsse geführt hat. Gleichwohl bleibt der Erstabschluss für gering Qualifizierte schwer erreichbar. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Inanspruchnahme der vier institutionalisierten Wege und benennt darüber hinaus weitere Initiativen auf Bundes- und kantonaler Ebene. Die Darstellung zeigt Fortschritte, macht aber auf fortbestehende Herausforderungen aufmerksam.
Für die Energiewende gibt es einen großen Qualifikations- und Fachkräftebedarf. Gleichzeitig haben viele junge Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund geringe Chancen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Das Wiener Projekt Öko-Booster richtet sich genau an diese Zielgruppe. Im Projekt werden Basiskompetenzen vermittelt, um die jungen Menschen im Anschluss über Lehrgänge und Betriebspraktika auf die Lehrabschlussprüfung vorzubereiten. Im Beitrag werden Hintergründe, Zielsetzung und erste Umsetzungserfahrungen beschrieben.
Teilqualifikationen gewinnen als Instrument zur Nachqualifizierung an Bedeutung. Sie richten sich an Erwerbspersonen über 25 Jahre, die keinen oder einen nicht mehr verwertbaren Berufsabschluss haben. Teilqualifikationen werden durch die Arbeitsagentur gefördert und mittlerweile erkennen zunehmend Unternehmen das Potenzial dieses Bildungsformats. So auch die Firma Standard- Metallwerke GmbH in Werl. Sie bietet ihren Beschäftigten bereits seit 2015 Teilqualifikationen in den Bereichen Maschinen- und Anlagenführung und seit 2017 auch in der Lagerlogistik an. Im Interview berichtet Vanessa Kiko von den Erfahrungen im Unternehmen und erläutert, warum Teilqualifikationen gut geeignet sind, um Fachkräftepotenziale im Unternehmen zu erschließen.
Frauen mit Fluchtgeschichte sind am Ausbildungsmarkt unterrepräsentiert und auch ihre beruflichen Ausbildungswege sind wissenschaftlich bislang wenig untersucht. Der Beitrag greift dieses Forschungsdesiderat auf. Auf Basis qualitativer Interviews aus dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt FEMPower wird analysiert, inwiefern Ausbildungsbetriebe diese Gruppe als Fachkräftepotenzial unzureichend wahrnehmen. Aus einer kritisch-analytischen Perspektive werden im Beitrag intersektionale Hürden identifiziert und praxisbezogene Empfehlungen für eine inklusivere Personalpolitik formuliert.
Um ihre Qualifikation für die Arbeit in Deutschland einsetzen zu können, benötigen im Ausland ausgebildete Fachkräfte vielfach noch eine Weiterbildung im Rahmen der Anerkennung. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn ein Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren dies zur Voraussetzung für eine volle Anerkennung macht. Wie und in welchem Umfang Betriebe ihre Beschäftigten dabei unterstützen und welche Gründe dagegensprechen können, wird im Beitrag auf Basis der Daten des BIBB-Qualifizierungspanels untersucht.
Die demografische Entwicklung und der Trend zur Akademisierung sorgen neben weiteren Gründen für eine zunehmend schwierige Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Viele Unternehmen orientieren sich daher bei der Bewerbersuche Richtung Ausland. Umgekehrt interessieren sich junge Menschen weltweit für einen Ausbildungsplatz in Deutschland. Der Beitrag beschreibt, wie der Bildungsdienstleister SPA ausländische Auszubildende und deutsche Betriebe dabei unterstützt, zueinander zu finden.
Die Handwerkskammer (HWK) Lübeck hat zum 1. Juli 2024 ein Projekt gestartet, das bundesweit Pionierstatus genießt: Das „Freiwillige Handwerksjahr“ (FHJ) ermöglicht Ausbildungsinteressierten, vier Ausbildungsberufe in einem Jahr kennenzulernen und eröffnet damit den Jugendlichen eine praktische Berufsorientierungsphase. Für jeweils maximal drei Monate gehen sie in einen Betrieb und probieren einen Handwerksberuf aus. Die HWK Lübeck berät, vermittelt und begleitet die Jugendlichen und Betriebe dabei. Der Beitrag beschreibt erste Erkenntnisse, nennt Zahlen und erläutert die Resonanz zum Projekt.
Geschlechtsuntypische Ausbildungen könnten das Potenzial haben, die Geschlechtersegregation am Arbeitsmarkt abzubauen und geschlechtsspezifische Ungleichheiten zu verringern. Studien deuten jedoch auf schlechtere Verwertungsperspektiven dieser Ausbildungsabschlüsse hin. Um diese näher zu beleuchten, werden im Beitrag Herausforderungen identifiziert, mit denen Personen im weiteren Erwerbsverlauf konfrontiert sind, wenn sie sich für eine Ausbildung in einem vom anderen Geschlecht dominierten Beruf entschieden haben. Grundlage sind Interviews mit Personen, die ihren geschlechtsuntypischen Ausbildungsberuf verlassen haben, sowie Expertinnen- und Experteninterviews.
Mit der neuen Ausbildungsordnung für die Berufe der Bauwirtschaft erfährt die Branche eine grundlegende Modernisierung. Auf struktureller Ebene sind vor allem die Einführung der gestreckten Gesellen- oder Abschlussprüfung als neue Prüfungsform und ein neues Modell zur Verknüpfung zwei- und dreijähriger Ausbildungen zu nennen. Inhaltlich wurden Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit stärker betont als in der bisherigen Verordnung von 1999. Die überbetrieblichen Lehrgänge haben weiterhin eine hohe Relevanz. Bei der Implementierung der neuen Verordnung unterstützt das BIBB die Ausbildungspraxis auf unterschiedlichen Ebenen analog und digital.
Mit „Schornsteinfegen“ allein ist es lange nicht mehr getan: Schornsteinfeger/- innen sind hochqualifizierte Fachkräfte. Sie überprüfen Heizungs- und Lüftungsanlagen auf ihre Sicherheit und die Einhaltung von Umweltstandards und beraten zu klimafreundlichen Technologien. Der Steckbrief beschreibt, was alles in dem 2025 modernisierten Ausbildungsberuf steckt und wie sich die Auszubildendenzahlen entwickelt haben.
Zu viele junge Erwachsene bleiben ohne Berufsabschluss. Sie tragen ein erhöhtes Arbeitslosenrisiko, erzielen relativ geringe Einkommen und fehlen als Fachkräfte. Das ist aktuell eine bildungs- und arbeitsmarktpolitische Herausforderung, und das war es auch schon vor dreißig Jahren, als das BIBB zwischen 1995 und 2001 eine Modellversuchsreihe zur modularen berufsbegleitenden Nachqualifizierung betreute. In dem hier wiederentdeckten Beitrag stellt Peter-Werner Kloas ein Konzept für die modulare Weiterbildung im Verbund mit Beschäftigung vor. Parallelen zu den aktuell diskutierten Teilqualifikationen sind unverkennbar.