Neuordnung der industriellen Metall- und Elektroberufe in den Achtzigerjahren. Günter Cramer, Klaus Heimann und Hermann Schmidt im Interview mit Friedrich Hubert Esser
Die Neuordnung der Metall- und Elektroberufe gehört zu den Meilensteinen in der jüngeren Berufsbildungsgeschichte. Sie ist ein hervorragendes Beispiel, um zu verdeutlichen, warum das duale System ein „lernendes System“ ist: Das Zusammenwirken von Wissenschaft, Politik und Praxis in Neuordnungsprojekten war und ist die beste Voraussetzung dafür, die gewaltige Komplexität, die mit der Entwicklung von anspruchsvollen Berufen für ausbildungsintensive Wirtschaftsbereiche einhergeht, in praxisorientierte Lösungen zu überführen. Die Neuordnung der Metall- und Elektroberufe gehört heute noch zu den Referenzbeispielen für innovative Ordnungsarbeit. Die mit ihr verfolgten berufspädagogischen Ziele – insbesondere die Förderung der beruflichen Handlungsfähigkeit – werden aktuell in den Ansätzen für eine kompetenzorientierte Berufsausbildung fortgeschrieben. Aus dem Rückblick, in dem Wegbereiter und Gestalter bedeutsame Aspekte dieses Projekts noch einmal nachzeichnen, lässt sich vieles für die Lösung von Herausforderungen in der Ordnungsarbeit mitnehmen.
Der WTO-Beitritt Chinas hat weitreichende Auswirkungen auch auf den Bildungs- und Qualifizierungsbereich, insbesondere auf die berufliche Bildung. Neben der Basisausbildung von Millionen in die Städte strömender Bauern stehen auch im Managementbereich sowie in der Ausbildung für internationale und Joint-Venture-Unternehmen gewaltige Qualifizierungsaufgaben an. Nach den Bestimmungen des WTO- Abkommens können jetzt auch ausländische Bildungseinrichtungen in China tätig werden. Für internationale Anbieter von Bildungs- und Qualifizierungsleistungen öffnet sich langfristig ein chancenreicher Markt, der allerdings nicht frei von Risiken ist. In dem Beitrag werden Chancen und Risiken eines Engagements dargestellt.
Für gewaltsame Delinquenz bei Jugendlichen, die in der Berufsausbildung stehen oder Facharbeiter sind, spielt der Gruppenzusammenhang eine große Rolle. Gewaltsames Handeln wird in diesem Artikel als Bewältigungsstrategie der Identitätsentwicklung im Jugendalter verstanden, die heute unter den Bedingungen der Individualisierung der Gesellschaft stattfinden muss. Die besonderen Möglichkeiten der Berufsausbildung im Betrieb und in der Berufsschule, der "Dekomposition" von Denken, Fühlen und Handeln bei den gewaltbereiten Jugendlichen entgegenzuwirken, werden aufgezeigt. Angestrebt wird eine Ich-Stärkung durch die Verbesserung von Realitätswahrnehmung, Reflexionsfähigkeit und den Aufbau echter Sozialbeziehungen und die Festigung des Vertrauens in die eigene Entwicklungsfähigkeit.
Im Hintergrund des Modellversuchs steht die Situation von Auszubildenden in Ostdeutschland, die nach der Wende mit einer drastischen verschlechterten Lehrstellenlage sowie vielfältigen Umbruchserlebnissen konfrontiert sind. Verunsicherung und Orientierungslosigkeit führen häufig zu aggressiven und gewalttätigen Verhaltensweisen, zum Teil gepaart mit rechtsextremen Ideologien. Im Rahmen des Modellversuchs soll die Berufsausbildung so gestaltet werden, dass die Gewaltneigung der Jugendlichen reduziert und alternative Umgangsformen gefördert werden. Durch das Lernen an realen Arbeitsaufgaben werden persönlichkeitsfördernde Bildungsprozesse verwirklicht, wobei der Schwerpunkt auf entdeckendem, selbstgesteuertem und kooperativem Lernen liegt. Der Beitrag beschreibt das Konzept einer Ausbildung, die persönlichkeitsfördernd und sozialintegrierend angelegt ist, und skizziert erste Ergebnisse des Modellversuchs.
Die Lebenslage und Ausbildungssituation von Jugendlichen in den neuen Bundesländern ist Gegenstand einer Langzeitstudie des Bundesinstituts für Berufsbildung. Untersucht wird, wie sich neben der konkreten Berufswahl, der Aufnahme einer Ausbildung und dem Ausbildungsverlauf unter anderem auch die Normen und Wertvorstellungen der ostdeutschen Jugendlichen in einer Phase des Umbruchs entwickeln. Der Beitrag berichtet über ausgewählte Ergebnisse des ersten Paneels von 1993 zu Fragen der Gewaltbereitschaft und zu ausländerfeindlichen Einstellungen. Die Antworten der Jugendlichen deuten darauf hin, dass sie zum größten Teil nicht als gewaltbereit zu bezeichnen sind, dass sie aber dennoch anfällig dafür sind, ihren Ohnmachtsgefühlen auch gewaltsam Ausdruck zu verleihen.
Bei der Bekämpfung von Ausländerfeindlichkeit und Gewalt ist die Ausbildungspraxis in Betrieben und berufsbildenden Schulen wichtiger denn je. Die Praxis zeigt, dass in Betrieb und Berufsschule viel zur Verständigung von ausländischen und deutschen Jugendlichen getan werden kann. Die Integration ausländischer Jugendlicher in anerkannten Ausbildungsberufen ist daher weiter zu fördern und zu erleichtern. Die dargestellten Beispiele gewerkschaftlicher Aktivitäten gegen Ausländerhass und Rechtsextremismus sind zum Bestandteil der täglichen gewerkschaftlichen Arbeit geworden.
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall und die IG Metall haben für die Ausbilder in der Metall- und Elektro-Industrie eine Handreichung zum Thema 'Zusammen arbeiten, zusammen leben, zusammen lernen mit Ausländern' entwickelt. In dem Beitrag werden die Beweggründe zur Erarbeitung des Leitfadens sowie der didaktische und inhaltliche Aufbau dargestellt.
Der Beitrag beschreibt Gründe, Zielgruppen, Inhalte und Methoden eines Modellversuchs, in dessen Mittelpunkt die Reduzierung des Gewaltpotentials unter Jugendlichen steht. In dem Modellversuch geht es im Rahmen der Berufsausbildung von benachteiligten Jugendlichen darum, wie in der Ausbildung persönlichkeitsbildende und sozial integrierende Potentiale entwickelt und gefördert werden können. Als methodische Ausgangsbasis dienen Arbeitsformen der Projektmethode, in denen ein hoher Anteil interdisziplinärer, interkultureller, kooperativer und sozialer Anforderungen gestellt wird. Mit diesem Ausbildungskonzept ist auch zugleich eine umfassendere Ausbilderrolle verknüpft, die mit entsprechenden Weiterbildungsangeboten entwickelt wird.
Kaum ein anderes Land der Erde hat in den latzten Jahren eine schnellere Entwicklung in der Wirtschaft und im Bildungswesen erlebt als Saudi-Arabien. Insbesondere im technischen Bereich wird mit gewaltigen finanziellen Anstrengungen versucht, ein modernes System beruflicher Bildung aufzubauen. Wie ist dieses System beschaffen, das vor allem unter dem Einfluß von Beratern westlicher Industrienationen entstanden ist und durch traditionelle "Vorgaben" in Saudi-Arabien kaum belastet war?
The documents made publicly accessible on this website, including associated data such as images, graphics and multimedia files, are protected by copyright. The respective authors are responsible for content. Individual reproductions such as copies and print-outs may only be made for private and other personal use (§ 53 German Copyright Law, UrhG). The legally permitted uses for teaching, science and institutions (§§ 60a ff. UrhG), in particular for the purpose of non-commercial scientific research, remain unaffected by this. In addition, reproduction, distribution and making available to the public are only permitted with the express permission of the publisher and with a reference to the source. This applies in particular in respect of reproduction and archiving of documents on electronic data media or on another server. Users themselves are responsible for compliance with legal stipulations and may be held liable in the event of misuse.