Seit 2005 ermöglicht das Berufsbildungsgesetz, Zusatzqualifikationen in Ausbildungsordnungen vorzusehen. Mit diesen sogenannten kodifizierten Zusatzqualifikationen können Betriebe über die in der Ausbildungsordnung festgelegten Mindeststandards hinausgehende Spezialisierungen vermitteln. Bisher wurden in 27 Ausbildungsberufen entsprechende Zusatzqualifikationen verordnet, die im Beitrag anhand ausgewählter Merkmale im Überblick dargestellt werden. Sie folgen zwei unterschiedlichen Modellen. Erkenntnisse über die Nutzung von kodifizierten Zusatzqualifikationen deuten auf eine geringe Verbreitung und Nutzung hin.
Über 50 kaufmännische Ausbildungsberufe bilden die zunehmende Bedeutung kaufmännischer Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt ab. Die Überlegung, wie in diesem Bereich Ausbildungsberufe in Berufsgruppen zusammengeführt werden können, steht und fällt mit dem Grad der Affinität der zusammenzuführenden Berufe. Hierzu kann ein Blick in die Historie der Entwicklung kaufmännischer Berufe hilfreich sein. Da ein hohes Maß an Differenzierung für ein geringes Maß an Affinität spricht, wird in diesem Beitrag nachgezeichnet, nach welchen Kriterien die Differenzierung des kaufmännischen Bereichs erfolgte. Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung früherer Versuche zur Zusammenführung von kaufmännischen Ausbildungsberufen werden abschließend Schlussfolgerungen und Anregungen für die aktuelle Diskussion gegeben.
Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften stellt vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen und einer fortschreitenden fachlichen Spezialisierung hohe Anforderungen an ein leistungsfähiges Aus- und Fortbildungssystem. Die BWP-Ausgabe greift Strukturfragen und -modelle auf, die bei der Weiterentwicklung von Berufsbildern und der Gestaltung beruflicher Qualifizierungswege diskutiert und umgesetzt werden. Dazu gehören u. a. Informationen zur Entwicklung der beruflichen Qualifikationsstruktur, die Bündelung von Berufen in Berufsgruppen, flexible und kompetenzorientierte Berufsbilder, eine stärkere Outcome-Orientierung sowie die verbesserte Anschlussfähigkeit und Durchlässigkeit beruflicher Bildungsgänge. Hierzu beziehen einleitend auch Vertreter/-innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis Stellung.
BIBB-Präsident Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser hebt im Editorial zum Heft das hohe internationale Ansehen der dualen Berufsausbildung hervor. Dies sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle an der beruflichen Bildung beteiligten Akteure weitere notwendige Verbesserungen – gerade bei der Umsetzung struktureller Herausforderungen – im Blick behalten müssen.
Weitere Beiträge im Heft befassen sich mit der Ausbildungsreife als Thema der öffentlichen Berichterstattung, dem neuen BMBF-Förderprogramm ANKOM II, sowie mit den Konsequenzen des DQR für die Ordnungsarbeit.
Im Beitrag wird, ausgehend von einer Definition von Fachsprache, diskutiert, welche Rolle Fachsprache und fachsprachliche Kompetenz für die Fachidentität spielen. Befördert durch eine zunehmende Spezialisierung und Ausdifferenzierung von Fächern und Berufen, gerät eine sprachlich konstituierte Fachidentität in interfachlichen oder fachexternen Zusammenhängen nicht selten in Konflikt mit den Erwartungen von Laien in Bezug auf eine verständliche Vermittlung von Expertenwissen. Der Beitrag betont vor diesem Hintergrund die Bedeutung einer Verständigungskompetenz von Expertinnen und Experten und legt abschließend dar, was unter einer "fachlichen Sprachkultiviertheit" im gesellschaftlichen Kontext verstanden werden könnte.
Mit der Einführung von vier neuen IT-Ausbildungsberufen sind konzeptionelle Innovationen hinsichtlich der Struktur der Ausbildungsberufe, ihrer didaktischen Leitlinien und des Prüfungsmodells verbunden. Die vier neuen IT-Berufe (IT-Systemelektroniker/IT-Systemelektronikerin, Fachinformatiker/Fachinformatikerin, IT-Systemkaufmann/IT-Systemkauffrau, Informatikkaufmann/Informatikkauffrau) schließen eine strukturelle Ausbildungslücke und leisten einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion über Zukunftsfähigkeit und Flexibilisierung des dualen Systems. In dem Beitrag werden neben allgemeinen Überlegungen zum Strukturwandel, zum Fortbestand der dualen Berufsausbildung und zu den strukturellen Ausbildungsdefiziten der IT-Branche das Konzept der neuen IT-Ausbildungsberufe und ihre zentralen Begriffe erläutert. Im Rahmen einer Basisqualifizierung werden alle vier Ausbildungsberufe über gemeinsame Kernqualifikationen verbunden, die auf ein ganzheitliches Aufgabenverständnis abzielen und berufliche Flexibilität sowie Lernfähigkeit für wechselnde IT-Fachaufgaben sichern. Auf diesen Kernkompetenzen baut dann die Fachbildung auf, die offen gestaltet wird für vielfältige Spezialisierungen.
Unmittelbar nach Beendigung der Berufsausbildung vollzieht sich ein rasch ablaufender Anpassungsprozeß der Berufsstrukturen des Ausbildungssystems an die des Beschäftigungssystems. Aus den individuellen Berufswechseln gehen vor allem große Ausbildungsberufe als Verlierer hervor, während zu den Gewinnern insbesondere eine Vielzahl kleiner Berufe gehört. Durch besondere Stabilität zeichnen sich technische Berufe mit hohem Spezialisierungsgrad aus. Die berufsspezifischen Umschichtungen werden für einen fünfjährigen Zeitraum dargestellt, beginnend mit dem Abschluß einer betrieblichen Berufsbildung. Zu diesem Zweck werden Daten aus der Berufsbildungs- und Beschäftigungsstatistik zu berufstypischen Zu- beziehungsweise Abstromprofilen verdichtet, die Rückschlüsse auf einige mögliche Ursachen der Umschichtung zulassen. Die berufsspezifischen Profile aller hinreichend besetzten Berufe wurden einer Clusteranalyse unterzogen und dabei vier charakteristische Profile gewonnen, die für Gruppen von Berufen stehen. Die berufliche und geschlechtspezifische Zusammensetzung dieser Gruppen sowie einige weitere Eigenschaften werden genauer erörtert.
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