Der neue World Development Report der Weltbank behandelt das Thema Jugend und ihren Übergang in die Erwachsenen- und Arbeitswelt und gebraucht den Begriff "Berufliche Bildung" so häufig wie lange nicht mehr. Erlebt die berufliche Bildung und die internationale Berufsbildungszusammenarbeit (BBZ) eine Revitalisierung und Aufwertung bei Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit (EZ)? Diese Frage geht der Beitrag nach. Fazit: Gerade die deutsche BBZ kann aufgrund ihrer Erfahrungen und Leistungsfähigkeit im Kontext nachhaltiger Entwicklungsstrategien und einer Arbeitsteilung von bi- und multilateralen Gebern zukünftig weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Status und Praxis der deutschen BBZ werden dargestellt und insbesondere die Transferkompetenz der BBZ herausgestellt.
Auch die lateinamerikanischen Staaten stehen vor neuen Herausforderungen in der Berufsbildung - bedingt durch die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien, den steigenden Wettbewerb und die globale Arbeitsteilung. Der internationale wissenschaftliche Dialog mit deutschen Experten soll dazu beitragen, geeignete und zukunftsfähige Lösungsansätze für die anstehenden Reformen zu finden. Der im Frühjahr 1999 in Berlin gemeinsam mit dem CINTERFOR durchgeführte Workshop bildete einen Auftakt für diese Kooperation. Der Beitrag greift einige übergreifende Aspekte auf, die für die künftige wissenschaftliche Zusammenarbeit bedeutsam sind: geeignete realistische Reformstrategien und die wissenschaftlich fundierte Evaluierung sowie Wirksamkeitsanalyse. Die im Workshop angesprochenen Themen bestätigen erneut die Notwendigkeit einer internationalen Berufsbildungsforschung.
Ein wesentlicher Grund für den Beschäftigtenabbau in Großbetrieben wird in der abnehmenden Effizienz großbetrieblicher Strukturen gesehen. Sie wird in dieser Studie auf die geringere Zufriedenheit der Beschäftigten zurückgeführt. Untersucht werden verschiedene Aspekte von Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit (Bildungsabschluss, Qualifikationsverwertung, Arbeitsteilung, Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten) in Abhängigkeit von der Betriebsgröße. Dabei stützt sich die Untersuchung besonders auf die subjektive Zufriedenheit der Erwerbstätigen: Mit steigender Betriebsgröße fällt die Zufriedenheit hinsichtlich beinah aller erfragten Aspekte der Berufstätigkeit (Aufstiegsmöglichkeiten, Betriebsklima, Art und Inhalt der Tätigkeit, Arbeitsbelastung, Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten anzuwenden) zum Teil beträchtlich. Die für Kleinbetriebe typische hohe Verwertbarkeit und Zufriedenheit weisen auf eine größere Übereinstimmung von erworbener beruflicher Identität und betrieblichen Anforderungen hin. Mit der Arbeitszufriedenheit sinkt dagegen in den Großbetrieben auch die Arbeitsmotivation und damit die Arbeitseffizienz. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, versuchen Großbetriebe, angetrieben durch den verschärften Wettbewerb und unterstützt durch die gewachsenen schulischen und beruflichen Qualifikationen der Erwerbstätigen, die Produktivität durch den Abbau der Arbeitsteilung zu fördern. Daraus folgen ein abnehmender Anteil von Erwerbstätigen in Großbetrieben sowie der Rückzug von Großunternehmen aus der Berufsausbildung.
Nach wie vor besteht in bezugauf Weiterbildungsbeteiligung und auf Qualität der betrieblichen Maßnahmen ein erhebliches Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen. Gleichzeitig hängt für Kleinbetriebe, die auf Märkten agieren, auf denen hohe Anforderungen an die Produktqualität und die ständige Modernisierung von Produkten und Fertigungsverfahren gestellt werden, die Bewältigung dieser Anforderungen und damit die Marktbehauptung zunehmend davon ab, ob es ihnen gelingt, dafür das Qualifikationspotential ihrer Beschäftigten zu mobilisieren und kontinuierlich anzupassen In besonderem Maße neuen Marktanforderungen ausgesetzt sind kleine Zulieferunternehmen Daher sind diese Betriebe besonders auf Unterstützung bei der erforderlichen Qualifizierung ihrer Belegschaften angewiesen. Andererseits verfügen ihre großen Abnehmer, die sie mit den erhöhten Anforderungen konfrontieren, in der Regel über gut ausgebaute interne Weiterbildungsressourcen mit entsprechendem Know-how. Daher lag die Überlegung nahe, daß eine Kooperation im Weiterbildungsbereich sowohl im Interesse der kleinen Zulieferbetriebe (Bewältigung neuer Anforderungen) als auch der großen Abnehmerbetriebe (bessere Qualität der Kaufteile durch besser qualifizierte Belegschaften) liegen müsse. Im Rahmen eines Forschungszusammenhangs, der sich mit der Situation und den Entwicklungschancen von Kleinbetrieben befaßt, die in die unternehmensübergreifende Arbeitsteilung mit großen Unternehmen eingebunden sind, wurde daher empirisch 1) der Frage nach Voraussetzungen, Ansatzpunkten, Realisierungschancen und Potentialen einer derartigen Weiterbildungskooperation zwischen kleinen Zulieferern und großen Abnehmerunternehmen nachgegangen.
Von 1986-1988 wurden im Forschungsprojekt "Öffnung des Berufsspektrums für junge Frauen der Bergischen Region" im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft Berufseinmündung und Berufsverlauf in sechs atypischen Berufen untersucht. Einer davon war der der Speditionskauffrau. 68 weibliche und 95 männliche Auszubildende dieses Berufes im ersten und dritten Lehrjahr wurden zur Ausbildungsmotivation, zum Ausbildungsverlauf, zu ihren beruflichen Zukunftsplänen und zu ihren Erwartungen an den Beruf befragt. Die Ergebnisse zeigen, daß schon die Motivation und Interessen differieren, mit denen junge Frauen und junge Männer die Ausbildung aufnehmen, daß sich die Unterschiede in Interessen und Aufgabenwahrnehmung während der Ausbildung vertiefen und schließlich mit dem ersten Arbeitseinsatz nach der Ausbildung Weichen für die weiteren Berufsperspektiven gestellt werden. Trotz der ursprünglichen Präferenz von speditionellen Tätigkeiten der Frachtabfertigung und Frachtorganisation entscheiden sich die jungen Frauen dann eher für den Arbeitsplatz in kaufmännischen oder Verwaltungsabteilungen - vermutlich schon im Hinblick auf die spätere Vereinbarkeit der Berufsausübung mit Aufgaben in der Familie. Längerfristig wird die Ausbildung zur Speditionskauffrau mehr als eine von mehreren möglichen kaufmännischen Erstausbildungen gesehen und eventuell auf eine breitere Verwertbarkeit hin ausgebaut, weniger als spezifische Ausbildung für den Spediteurberuf.
Ein empirischer Vergleich der Berufssituation und des Berufserfolgs jüngerer Frauen und Männer in qualifizierten Angestelltenberufen des kaufmännisch-verwaltenden Bereichs
Frauen haben in der Allgemeinbildung und der Berufsausbildung in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht und gegenüber den Männern immens aufgeholt. Die bildungsmäßigen Verbesserungen schlagen sich jedoch nicht in entsprechenden Verbesserungen der beruflichen Situation von Frauen, d. h. in der Angleichunq an die berufliche Situation der Männer nieder. Noch immer liegen die Frauen im Einkommen und in der beruflichen Position im Durchschnitt weit hinter den Männern. Das wird in der Regel darauf zurückgeführt, daß viele Frauen aufgrund familiärer Verpflichtungen teilzeitbeschäftigt sind oder die Erwerbsarbeit unterbrechen und eine geringere Beschäftigungsdauer bzw. -erfahrung vorzuweisen haben. Im folgenden soll zunächst noch einmal kurz der Bildungsanstieg der bundesrepublikanischen Frauen und Mädchen veranschaulicht werden. Dann wird anhand eines empirischen Vergleichs des Berufserfolgs qualifizierter junger Frauen und Männer der Frage nachgegangen, ob die Faktoren Bildung, Arbeitszeitumfang und Beschäftigungsdauer für die berufliche Situation bzw. für die berufliche Gleichstellung von Frauen und Männern ausschlaggebend sind. Wäre dem so, müßten gleich gut qualifizierte jüngere Frauen und Männer, die im erlernten Beruf vollzeitbeschäftigt sind, gleichgestellt sein.
Qualifikationsforschung und Arbeitsmarktforschung der Bundesrepublik Deutschland stehen in einem merkwürdigen Verhältnis zueinander. Die Frage, ob sie die gleichen, jeweils spezifisch gegeneinander abgegrenzten oder aber einander überlappenden Forschungsgegenstände haben, ist schwer zu beantworten. Noch schwieriger dürfte es sein, darüber, wie dieses Verhältnis aussehen sollte, unter den beteiligten Forschungsrichtungen und Forschern einen (nicht pragmatischen, sondern wissenschaftlich begründeten) Konsens herbeizuführen.
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